Umgang und Haltungsmanagement von Elefanten im Zoo Hannover

Die aktuellen Ereignisse im Zoo Hannover haben uns dazu veranlasst, dem Geschäftsführer Herrn Casdorff einen Brief mit der Bitte um eine Stellungnahme zu schreiben. Hier finden Sie den Brief:

 

Zoo Hannover GmbH
Herrn Andreas Michael Casdorff
(Geschäftsführer)
Adenauerallee 3
30175 Hannover

Umgang und Haltungsmanagement von Elefanten im Zoo Hannover
05.04.2017

Sehr geehrter Herr Casdorff,

wie gestern das ARD-Magazin Report Mainz berichtete, dokumentieren heimlich gedrehte Filmaufnahmen aus dem Jahr 2016, mit welch fragwürdigen Methoden Jungelefanten im Zoo Hannover dazu trainiert werden, bestimmte Kunststücke – wie bspw. auf den Hinterbeinen stehen – dem Publikum zu zeigen. So werden die Tiere offensichtlich systematisch, teilweise auch sehr grob, mit einem so genannten Elefantenhaken malträtiert. Derartige Methoden waren uns bislang nur von unseriös arbeitenden Zirkusunternehmen bekannt.
Die Filmaufnahmen sind u.E. authentisch und sprechen eigentlich für sich. Fachleute, wie die international renommierte Elefantenforscherin Carol Buckley, weisen darauf hin, dass diese Methode für die Tiere mit Schmerz, Angst und langanhaltendem Stress verbunden ist. Umso bedauerlicher ist, dass nun nach Bekanntwerden dieser unsäglichen Vorgänge, jedwede Kritik an dem derzeitigen Haltungsmanagement vom Zoo Hannover lapidar heruntergespielt und faktisch ignoriert wird.
So weisen Sie auf Ihrem Facebook-Account in wenigen Sätzen darauf hin, dass die Tiere nicht gequält werden, keine Kunststücke vollführen und dass dieses Training zur Beschäftigung und zur Vorbereitung medizinischer Untersuchungen dienen würde.
Aus unserer Sicht ist es jedoch mehr als überfällig, den in vielen Zoos heute noch praktizierten „direkten Kontakt“ mit Elefanten insgesamt kritisch zu hinterfragen.
Denn die konsequente Umsetzung dieses Konzeptes setzt idR auch den Einsatz von Gewalt voraus. Dieser Tatsache dürfte eigentlich auch von Ihrer Seite nicht ernsthaft widersprochen werden. So weist bereits Puschmann (Säugetiere, 2009), immerhin einer der wenigen deutschsprachigen Standardwerke für Tiergartenbiologie, darauf hin, dass der direkte Kontakt mit „robusten Erziehungsmethoden“ und mit „Entschlossenheit und Härte“ umgesetzt werden muss, damit der Pfleger sich Respekt verschafft und auch die Dominanz ausübt. So betrachtet, handelt es sich um ein systemimmanentes Problem.
Das Vorgehen im Zoo Hannover kollidiert somit nicht nur gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen, sondern auch mit den Anforderungen des Säugetiergutachtens (2014). Trainings- und Vorführungsmethoden sind nach dem Gutachten dann zu empfehlen, wenn sie als „Methode eines stressarmen und stressfreien Umgangs mit den Tieren“ eingesetzt werden. Die Methode des direkten Kontaktes dürfte diese aus Sicht des Tierschutzes grundlegende Anforderung sicherlich nicht erfüllen.
Ethologische Erkenntnisse zeigen übereinstimmend und deutlich auf, dass die Haltung von Elefanten im „geschützten Kontakt“ für die Tiere bei einem entsprechend durchgeführten Management und entsprechenden baulichen Gegebenheiten tiergerechter und für die Tierpfleger deutlich ungefährlicher ist. Rund die Hälfte aller Elefantenhaltungen in Deutschland hat mittlerweile auf dieses alternative Konzept umgestellt.

Sehr geehrter Herr Casdorff, aus den o.g. Gründen appellieren wir deshalb an Sie in Ihrer Funktion als Geschäftsführer des Zoos Hannover, sich der Diskussion um einen Systemwechsel im Umgang mit Zooelefanten hin zu mehr Tierschutz nicht zu verschließen. Die Methode des direkten Kontaktes ist jedoch weder zeitgemäß noch tiergerecht, sondern ein Auslaufmodell.
Da wir bereits heute zahlreiche Anfragen besorgter Tierfreunde erhalten haben, sehen wir Ihrer Stellungnahme interessiert entgegen.

Mit freundlichen Grüßen,
Torsten Schmidt
Bund gegen Missbrauch der Tiere

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