Tiertransporte

Jedes sogenannte Nutztier wie bspw. Schwein, Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Geflügel oder Fisch wird in seinem Leben mindestens einmal lebend transportiert. Spätestens, wenn es geschlachtet werden soll.

Tiertransporte stellen für die meisten Tiere eine erhebliche Belastung dar. Die Tiere werden aus dem gewohnten Stall getrieben und von ihren vertrauten Artgenossen und Bezugspersonen getrennt. Der Transport selber ist für die Tiere ebenfalls ungewohnt und körperlich und psychisch sehr anstrengend.

Leider gibt es eine Reihe von Gründen, die diese Lebendtiertransporte seit Jahren noch begünstigen:

  • Spezialisierung der landwirtschaftlichen Tierhaltung: In der Schweine- und Rinderhaltung spezialisieren sich viele Betriebe auf reine Aufzucht- oder auf reine Masttätigkeiten, so dass die Tiere je nach Alter, Gewicht, Geschlecht und Verwendung mehrfach in ihrem Leben transportiert werden.
  • Zentralisierung: Immer häufiger schließen kleine, regional arbeitende Schlachthöfe, da sie mit den Großschlachthöfen nicht konkurrieren können. Dadurch verlängern sich die Transportstrecken.
  • Religiöse oder traditionelle Gründe: Immer noch werden lebende Tiere in weit entfernte Länder transportiert, damit sie dort gemäß den religiösen oder traditionellen Riten (Schächten) des Landes getötet werden. Derartige Transporte können, je nach Transportmittel, Tage oder Wochen dauern.

 

Wie viele Tiere werden transportiert?

Gemessen an der Anzahl der in Deutschland jährlich geschlachteten Nutztiere wird der enorme Umfang von Tiertransporten deutlich: 2012 wurden allein in Deutschland über 760 Millionen Schlachttiere transportiert – in ganz Europa schätzungsweise 2.5 Mrd. Tiere.

Nicht eingerechnet in diese Statistik ist bspw. der zunehmende Transport von Fischen. Hier gibt es nur Schätzangaben in Tonnen (und nicht in Tierindividuen). Darüber hinaus bestehen Erhebungslücken vor allem über die Transporte ausländischer Lastkraftfahrzeuge, die es erschweren, einen ausreichend vollständigen Überblick über das gesamte Beförderungsvolumen zu gewinnen.

Die meisten Tiere werden im LKW transportiert, seltener per Schiff und Flugzeug. Das Schienenverkehrsunternehmen DB Cargo hat den Transport lebender Tiere auf der Schiene 2001 eingestellt, obwohl gerade der Transport auf der Schiene zeitlich sicherer zu organisieren wäre, als der Transport auf der Straße.

 

Gesetzliche Bestimmungen

 Innerhalb der EU gilt die Richtlinie zum Schutz von Tieren beim Transport (EU–Transportverordnung (EG Nr. 1/2005 des Rates vom 22. Dezember 2004)). Diese Richtlinie sieht eine Höchstdauer je Transport von acht Stunden vor, die jedoch unter bestimmten Bedingungen (Spezialfahrzeuge, Pausen-/Versorgungsintervalle) unbegrenzt verlängert werden kann.

  • 1997 wurde die EU-Richtlinie in Deutschland als Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) umgesetzt. Darin enthalten sind unter anderem die Rahmenbedingungen für Fahrt- und Ruhezeiten, Wasser- und Futterversorgung, Lüftung, Bodenbeschaffenheit und Ladedichte. Diese Angaben sind zwar hilfreich für die Überprüfung und Kontrolle, sie sagen aber wenig über das tatsächliche Befinden der transportierten Tiere aus. Angaben wie zum Beispiel die Ladedichte beruhen hauptsächlich auf Erfahrungswerten und weniger auf der tatsächlich von Tieren benötigten Bodenfläche beim Liegen oder Stehen.

 

Ein besonderes Problem: Langzeittransporte

Grundsätzlich gilt: Je länger ein Tiertransport dauert, umso größer ist das gesundheitliche Risiko für das Tier. Besonders grausam sind deshalb die langen Tiertransporte in Drittländer. Rinder, Kälber, Pferde, Schafe oder Schweine, sind nicht selten die tage-, manchmal wochenlang, auf überfüllten LKWs unterwegs. Bislang gibt es keine zeitliche Begrenzung der Transportdauer.

Über viele Jahre wurde der Lebendtransport in Drittländer finanziell sogar gefördert. Zwar wurde diese Förderung aufgrund der Proteste u.a. der Tierschutzorganisationen eingestellt. Dies gilt aber nicht für den Export von Zuchtrindern. Deutschland exportierte 2010 etwa 100.000 Zuchtrinder in rund 40 Staaten. Immer noch geht ein Großteil der Tiere in südliche Länder, schätzungsweise 40 Prozent allein nach Nordafrika.

 

Deutschland untergräbt wesentliche Schutzvorschriften der EU

Die EU–Transportverordnung listet im Anhang 1 unter „Transportfähigkeit“ konkrete Fälle auf, wann Tiere nicht mehr transportiert werden dürfen. Das trifft z.B. für Tiere mit offenen Verletzungen, schweren Organvorfällen oder Tiere im fortgeschrittenen Trächtigkeitsstadium (90% und mehr) zu.

Werden Verstöße gegen diese tierschutzrechtlich zentrale Vorschrift bei Kontrollen festgestellt, so ist eine effektive behördliche Sanktionierung in Deutschland derzeit jedoch nicht möglich, da in den Vorschriften der Tierschutztransportverordnung entsprechende Ahnungsmöglichkeiten fehlen. Das Verbot, nicht transportfähige Tiere zu transportieren, wird im Katalog der Ordnungswidrigkeit im nationalen Recht nicht erwähnt. In der alten Fassung der TierSchTrV (bis 2009) waren solche Geldbußen bis 25.000 Euro bei Nichtbeachtung der Transportfähigkeit noch integriert, sie wurden jedoch im Zuge der damaligen Novellierung des Gesetzes ohne Begründung gestrichen.

Da in der EU-Transportverordnung die Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, für den Fall des Verstoßes der Vorschriften Sanktionen festzulegen, die effektiv umgesetzt werden und wirksam und verhältnismäßig abschreckend sind, widersprechen die jetzigen nationalen Regelungen gegen dieses unionsrechtliche Ziel.

Vor diesem Hintergrund haben der Deutsche Tierschutzbund und der Bund gegen Missbrauch der Tiere am 22.03.2016 Bundesminister Schmidt angeschrieben und ihn aufgefordert, die nationale Tierschutztransportverordnung entsprechend zu ändern. Dieser Appell hatte Erfolg: Am 12. Oktober 2016 teilte uns der Bundeslandwirtschaftsminister schriftlich mit, dass unser Anliegen umsetzbar sei und dass eine Änderung der Transportverordnung „bei sich bietender Gelegenheit“ auf den Weg gebracht werden soll.

 

Forderungen des bmt

  • Begrenzung der Transportzeit für Schlacht- und Masttiere bei nationalen Transporten auf 4 Stunden, bei internationalen Transporten auf maximal 8 Stunden
  • Tiere müssen grundsätzlich am nächstgelegenen Schlachthof geschlachtet werden
  • Drastische Erhöhung der Kontrollen (nicht nur Schwerpunktkontrollen)
  • Kontrollpersonal mit erweiterten Befugnissen und eine EU-weit einheitliche Regelung der Zuständigkeiten
  • Verbesserte Zusammenarbeit der Behörden bei Kontrollen sowie der Ahndung und Bestrafung von Verstößen, insbesondere auch auf internationaler Ebene
  • Sofortige Ahndung bei Feststellung von Verstößen,
  • Der Transport von transportunfähigen Tieren muss hart bestraft werden. Zumindest sollte dieser Verstoß wieder eine Ordnungswidrigkeit darstellen
  • Spezielle Schulungen mit Erfolgsprüfung mit dem Schwerpunkt Tierschutz für Transporteure, Kontrolleure und Polizei sowie regelmäßige Fortbildungen
  • Verbot elektrischer Treibhilfen
  • Rutschfeste und seitlich solide begrenzte Laderampen mit einer maximalen Steigung von 15°
  • Festlegung einer maximalen Ladedichte für jedes Fahrzeug
  • Eingestreute Ladeflächen
  • Kontrolle und Zugang zu jedem einzelnen Tier auf dem Transporter
  • keine Multideck-Fahrzeuge für Rinder- und Pferdetransporte
  • Transport von Pferden ausschließlich in einzelnen Boxen
  • Jedes Tier muss ausreichend Platz zum Liegen und Wiederaufstehen haben
  • Sensorgesteuerte Klimasysteme für den Laderaum
  • Bei Großtiertransporten Videokontrollen im Fahrzeug
  • technisches Alarmsystem im LKW, das Aussagen über die Funktionsfähigkeit der Klimasteuerung liefert
  • Verpflichtend: Notfallpläne, falls der Transporter auf der Strecke liegen bleibt
  • die Förderung regionaler Schlachthöfe, mobiler Schlachteinheiten.

 

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Stand: November 2016