Rumänien will gesamtes Land von Hunden „säubern“ – Lynchjustiz gegen Straßenhunde in vollem Gang

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Nach einem tödlichen Beißvorfall sollen in Rumänien alle Streuner getötet werden – Abstimmung über landesweite Tötungsaktionen in der kommenden Woche – Nutzen Sie unsere Protestmöglichkeiten an die rumänische Regierung, um den Hunden das Leben zu retten!

Am 2. September 2013 starb ein vierjähriger Junge infolge eines Beißvorfalls in Bukarest. Das Kind war mit seinem Bruder unbeaufsichtigt auf ein Privatgelände gelaufen. Rumänien erlebt seit dem tragischen Vorfall einen beispiellosen Rachefeldzug gegen Straßenhunde. Die Regierung, flankiert von manipulierenden, aufheizenden Medien, fordert eine umgehende Notfallverordnung zur Tötung der Hunde sowie eine entsprechende Gesetzesvorlage, die das Töten der Tiere legalisiert.

Vor laufenden Kameras wird zur Lynchjustiz an allen Hunden aufgerufen – und viele Bürger beteiligen sich an der blutigen Hetzjagd auf Welpen, trächtige Hündinnen, Junghunde und erwachsene Tiere. In der kommenden Woche soll über das Tötungsprojekt, das jeden Hund in jedem Winkel des Landes erfassen soll, abgestimmt werden. Währenddessen formiert sich internationaler Protest. EU-weit werden Petitionen zur Rettung der Straßenhunde gestartet, Email-Adressen von rumänischen Politikern für Protestbriefe veröffentlicht. Nutzen auch Sie diese Chance, den mit dem Tode bedrohten Hunden zu helfen! Rumänien, ein Mitgliedsstaat der EU (!), lädt mit seinen grausamen Tötungsaktionen immer größere Schande auf sich.

Über die sozialen Netzwerke werden Tierschutzorganisationen zu einem großflächigen Boykott aufrufen: Wir fordern jeden Tierfreund auf, keine Reisen nach Rumänien zu unternehmen und keine rumänischen Produkte, auch Bio-Waren, zu kaufen.

Lesen Sie hier den Bericht von Carmen Arsene vom rumänischen Tierschutzverband und die Einschätzung von Claudiu Dumitriu, der als Tierrechtler für den bmt Tierschutzvergehen in seinem Heimatland verfolgt und zur Anzeige bringt.

Wir haben zusätzlich einen Musterbrief auf deutsch und englisch für Sie vorbereitet, den Sie hier als PDF Datei laden können: Musterbrief deutsch | Musterbrief englisch. Schicken Sie ihn bitte per Mail oder Fax an die angegebenen rumänischen Politiker – VIELEN DANK IM NAMEN DER TIERE!

>>Zu den Petitionen geht es hier<<

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Von Carmen Arsene, rumänischer Tierschutzverband
Am 2. September wurde in Rumänien ein Kind von Hunden getötet. Was kaum erwähnt wird: Das vierjährige Kind wurde zu lange von der Großmutter unbeaufsichtigt gelassen, und es kam aus dem Park auf ein privates, eingezäuntes Grundstück, auf dem sich die Hunde befanden.

Alle Fernsehsender und Zeitungen berichten nun unaufhörlich über diese Tragödie, veranstalten Shows, schreiben Stories, interviewen Leute, welche sich von Hunden gestört fühlen, zeigen falsche Statistiken und stacheln die ganze Bevölkerung auf.

Im Gegensatz dazu haben der Vater und die Großmutter des Kindes trotz ihres Schmerzes die Hunde als „arme Wesen“ bezeichnet und geben ihnen nicht die Schuld, sondern klagen die Behörden an, welche nicht für eine ausreichende Handhabung zur Kontrolle gesorgt haben.

Die Behörden benutzen nun diese Tragödie, um die Tötung aller Hunde zu fordern! Gestern hat der rumänische Präsident, Traian Basescu, das Parlament dazu gedrängt, eine Notfallverordnung auszuarbeiten, nach der sämtliche Hunde getötet werden müssen. Parallel dazu hat der Präsident des Abgeordnetenhauses dringend um eine Gesetzesvorlage zur Tötung von Hunden gebeten. Seit 20 Jahren wurden in Rumänien Hunde gequält, gefangen und in sogenannte „Tierheime“ gebracht – Tötungsanstalten, wo sie mit brutalen Methoden getötet wurden, wenn sie nicht schon vorher verhungert oder verdurstet waren. Hunderttausende Hunde starben in den städtischen Auffanglagern, wenngleich zig Millionen Euro (auf dem Papier) ausgegeben werden, um das Problem der herrenlosen Hunde zu „managen“. Das Problem wurde auf den Straßen nicht gelöst, sondern wurde noch schlimmer, denn nirgendwo auf der Welt konnte das Massentöten zur Lösung beitragen.

Wenngleich sowohl die Erfahrungen anderer Länder als auch unsere eigenen (siehe Oradea) gezeigt haben, dass allein die Kastration der herrenlosen Hunde eine Lösung darstellt und zum Verschwinden der Streuner führt, haben die rumänischen Behörden dies vollständig ignoriert und auf ihren fehlgeschlagenen Methoden beharrt. Warum? Weil die Tötung von herrenlosen Hunden in Rumänien ein Geschäft geworden ist, für das zig Millionen Euro ausgegeben werden, das in den Taschen derjenigen landet, die dieses „Management“ betreiben. Das Töten löst nicht das Problem, so wird es immer Hunde in den Straßen geben und die Behörden haben ständig einen Grund, öffentliche Gelder „auszugeben“.

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Von Claudiu Dumitriu, Tierrechtler in Rumänien
Entgegen jeder journalistischer Ethik und elementarstem Anstandsgefühl haben mehrere rumänische Fernsehsender (Pro TV, Antena 1, Realitatea TV, Digi 24) ein unerhörtes Lynchen der Straßenhunde und Tierschutzvereine in den Medien ausgelöst.

Ausgangspunkt des politischen und wirtschaftlichen Interessen gar nicht fremden Lynchens in und durch die Medien, war die Tragödie eines durch Zufall von Hunden getöteten Kindes, welche, unvollständig vorgestellt, nach allen Regeln der Manipulation und Täuschung mediatisch ausgebeutet wurde.

Obwohl das Kind auf Privatgrund von den dortigen Hunden getötet wurde, schrieb die Presse die Schuld den Straßenhunden zu, derer Massenvernichtung dann mit hysterischer Leidenschaft gefordert wurde, wie in, allerdings hunderte Jahre zurückliegenden, Hexenjagden. Dabei ist unwichtig, dass Massenvernichtung – bei Weitem keine Lösung – bloß die psychologische Rolle des Rächens erfüllt.

In einem Land wo Politiker Kinder auf Fußgängerüberwegen anfahren, in einem Land wo Dutzende oder sogar Hunderte von Kindern den Schlägen ihrer Eltern unterliegen, in brennenden Häusern ihr Leben lassen, ertrinken, in Verkehrsunfällen oder in Krankenhäusern durch Fahrlässigkeit der Ärzte sterben, in einem korrupten, grauen, scheinbar zukunftslosen Land haben die Fernsehsender endlich gefunden was uns fehlte: „den Sündenbock“, beziehungsweise den „Straßenhund“. Am Straßenhund kann man sich Leute ungestört für alles rächen, vor allem weil durch seine Tötung er eigentlich auf der Straße bleibt, und man so Gelegenheit haben wird sich noch einige Dutzend Male zu rächen.

Das Töten des Straßenhundes wird „den Fluch brechen“, „alles Böse ausmerzen“, „unser Bürgerbewusstsein stärken“, „die Korruption auf die Hälfte reduzieren“ und Himmel auf Erden herstellen.