Junge stirbt nach Beißvorfall auf Privatgelände – Medien heizen Lynchjustiz gegen Straßenhunde an

Tierschutzzentrum, 6. September 2013. Am Montag wurde in Bukarest ein vier Jahre alter Junge von Hunden auf einem privaten Gelände getötet. Politiker und Medien nehmen das tragische Ereignis zum Anlass, die Jagd auf Straßenhunde erneut und in aller Härte zu eröffnen, obwohl sich der Vorfall auf einem Privatgrundstück abspielte.

Während der rumänische Präsident Taian Basesu bereits einen Tag später die Regierung in Bukarest aufrief, schnellstens die Legalisierung der Straßenhundtötung per Gesetz auf den Weg zu bringen, treten die Medien nun eine bisher beispiellose Lynchjustiz gegen alle frei herum laufenden Hunde los. Das Töten der Streuner soll „den Fluch brechen“, wird „das Böse ausmerzen“, die „Korruption reduzieren“ und „unser Bürgerbewusstsein stärken“ verbreiten die Fernsehsender Pro TV, Atena 1, Realitatea TV und Digi 24 entgegen jeder journalistischen Ethik und Fairness.

In den vergangenen Jahren haben Rumäniens Politiker – unterstützt durch die Presse – immer wieder Vorstöße unternommen, die großflächige Tötung der Straßenhunde per Gesetz festzuschreiben. Zuletzt scheiterten die Verfechter 2012 mit ihrem Vorhaben, weil Tierschützer eine Klage vor dem Verfassungsgericht angestrengt hatten – die Fang- und Tötungsaktionen gingen illegal weiter. „Jedes tote Kind“, sagt die bmt-Vorsitzende Petra Zipp, „ist ein Kind zu viel, das gilt genauso auch für Deutschland. Aber die wahren Schuldigen in Rumänien sind nicht die Hunde, sondern korrupte und korrumpierbare Politiker, die seit Jahren mit Ausflüchten, Tricks und gebrochenen Versprechen die Kastration der Hunde in den Städten und Gemeinden verhindern.“

Statt Gelder in Kastrationsprojekte zu stecken, die das „Straßenhundproblem“ effizient und tierschutzgerecht lösen würden, wird in Rumänien ein mafiöses, millionenschweres Geschäft mit der Tötung der Hunde aufrecht erhalten. „Würde das Töten der Hunde seinen Zweck erfüllen“, sagt Petra Zipp, die seit über 10 Jahren Kastrationsprojekte in Rumänien betreut, „dürfte es schon längst keine herrenlosen Hunde mehr geben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Population der Streuner steigt, weil bereits nach kurzer Zeit neue Hunde die Plätze ihrer getöteten Artgenossen besetzen. Das ist bekannt, wissenschaftlich belegt – und wird geflissentlich von allen Verantwortlichen ignoriert, um das lukrative Geschäft mit dem Fangen, Internieren und Töten der Hunde nicht zu gefährden.“
Die wahre Tragödie hinter diesem sinnlosen Kindestod, so der bmt, liegt darin, dass rumänische Politiker abermals Unschuldige instrumentalisieren, um ihre Ziele durchzusetzen. „Wann hat sich ein Präsident je dafür interessiert“, fragt der rumänische Tierrechtler Claudiu Dimitriu, der für den bmt in seinem Heimatland Tierschutzvergehen verfolgt und zur Anzeige bringt„ dass noch heute Kinder in Kliniken sterben müssen, weil unsere Regierung nicht in das Gesundheitswesen investiert?“

Der gebürtige Rumäne weiter: „In unserem Land können Kinder auf Fußgängerwegen von Politikern angefahren und Kinder von ihren schlagenden Eltern misshandelt werden, Kinder sterben in brennenden Häusern, ertrinken, lassen bei Verkehrsunfällen und durch die Fahrlässigkeit von Ärzten ihr Leben – doch dieses korrupte, graue und scheinbar zukunftslose Land weiß nach dem tragischen Kindestod nun endlich, wer die wahren „Schuldigen“ sind: die Straßenhunde, an denen sich jeder Mensch für alle erlittene Schmach rächen kann.“
„Wir werden nicht zulassen, dass diese mittelalterlich anmutende „Hexenjagd“ mit dem Segen der Politiker fortgesetzt wird. Der bmt fordert die rumänische Regierung unmissverständlich auf, das Töten der Tiere zu untersagen, zu bestrafen und endlich Kastrationsprogramme zuzulassen bzw. umzusetzen“, sagt Petra Zipp. „Ich glaube nicht, dass Touristen noch Freude haben werden, ein Land zu besuchen, das durch planlose, grausame und hysterisch anmutende Tötungsaktionen von sich reden macht.“