Die Harmonisierung der Gesundheitsvorschriften für reisende Haustiere konnte möglich werden, weil in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Ausrottung der Tollwut in der Union erzielt wurden. Damit die Tollwut nicht wieder aufflammt, ist eine gültige Impfung Voraussetzung für grenzüberschreitende Reisen.
Die Tollwut-Impfung darf nicht länger als 1 Jahr zurückliegen
Wer seinen Hund ins Ausland mitnimmt, muss ein gültiges Tollwut-Impfzeugnis für Vierbeiner vorlegen. Gültig heißt: Die Impfung muss mindestens 1 Monat alt sein – und keinesfalls älter als 12 Monate. Die genauen Zeitspannen erfragen Sie bitte bei der Botschaft oder beim Amtstierarzt. Schweden, Irland und Großbritannien verlangen zusätzlich die Bestätigung eines Labors, dass der Impfstoff wirksam ist (Antikörper-Titration).
Tätowierung, Mikrochip und EU-Pass
Bei Reisen durch die EU wird außerdem erwartet, dass der Vierbeiner mit einem elektronischen Mikrochip gekennzeichnet ist oder in den ersten acht Jahren übergangsweise mit einer Tätowierung. Die Tollwut-Impfbescheinigung muss sich dabei selbstverständlich auf das durch Chip oder Tätowierung ausgewiesene Tier beziehen. Ein EU-Pass, ausgestellt vom Amtstierarzt, soll die tierärztliche Kontrolle erleichtern.
Detaillierte Auskunft zu den derzeit aktuellen Einreisebestimmungen für Haustiere erhalten Sie in den jeweiligen Botschaften des Landes.
Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und lange Anfahrt – zu großer Stress für Vierbeiner
Nicht jedes Haustier ist ein geeigneter Reisepartner. Katzen fühlen sich in ihrer vertrauten Umgebung sicher und wohl – Anreise, Transport, fremdes Umfeld und ungewohntes Klima bedeuten ein Höchstmaß an physischer und psychischer Belastung für die feinsinnigen Tiere. Katzen bleiben, wie Vögel, Kaninchen und Hamster, am besten Zuhause, sachkundig betreut von einer netten Person Ihres Vertrauens. Ausnahmen bestätigen die Regel: Es gibt tatsächlich auch Katzen, die ihre Halter gerne in den Urlaub begleiten.
Hunde sind am liebsten dort, wo ihr geliebter zweibeiniger Freund ist. Dennoch sollten Sie im Interesse des Hundes genau abwägen, ob und welche Reise ihm zuzumuten ist. Bitte beachten Sie dabei folgende Aspekte:
Reisen Sie mit Flugzeug, Auto, Bahn oder Schiff?
Sehr kleine Hunde (zwischen 5 und 8kg, je nach Fluggesellschaft) können als „Handgepäck“ in der Kabine mitfliegen. Voraussetzung: Sie bleiben den gesamten Flug in der Pet-Box (erhältlich am Check-In-Schalter), einer wasserdichten Transportbox. Vierbeiner, die oberhalb der Gewichtsgrenzen liegen, reisen im Frachtraum in Containern (erhältlich bei den Fluggesellschaften). Trotz Druckausgleich und Heizung bleibt der Aufenthalt im Frachtraum eine gewaltige Strapaze für die Hunde. Die Tiere überstehen die Aufregung besser, wenn ihnen nach Rücksprache mit dem Tierarzt leichte Beruhigungsmittel (Sedativa, Antiemetrika, homöopathische Globuli, Tropfen) eingegeben werden.
Wer mit dem Auto in die Ferien fährt, sollte den Hund entweder hinter einem sicheren Trennnetz oder angegurtet auf dem Rücksitz reisen lassen. Sehr wichtig: Machen Sie stündliche Pausen und geben Sie dem Tier jedes Mal frisches Wasser zu trinken. Lassen Sie den Hund niemals im Auto zurück – vor allem nicht in südlichen Ländern. Schon 15 Minuten im überhitzten Auto können tödlich sein! Wenn Sie Kurven oder Steigungen nehmen, achten Sie auf den Hund. Hechelt oder gähnt er? Dann bekommt das Tier Probleme mit seinem Ohrendruck. Geben Sie ihm sofort etwas zu kauen.
Hunde in der Bahn müssen Leine und Maulkorb tragen (Ausnahme kleine Hunde). Wenn Sie ein Schlafwagenplatz wünschen, darf ein Vierbeiner nur mitreisen, wenn Sie das gesamte Abteil buchen. Bitte erkundigen Sie sich direkt bei der Auskunft nach aktuellen Fahrpreisen für Ihren Hund und weiteren Bestimmungen.
Was Sie Ihrem vierbeinigen Kameraden unbedingt ersparen sollten, ist eine Reise per Schiff. Auf allen Fähren im Mittelmeerraum müssen Hunde unter Deck im Auto bleiben – oder werden in kleine Käfige auf das Oberdeck gestellt, wo sie unter Umständen der prallen Sonne ausgesetzt sind.
Gibt es Urlaubsregionen mit größerem Erkrankungsrisiko?
In bestimmten Urlaubsregionen, dazu gehören gerade der Mittelmeerraum und die tropischen Länder, übertragen u.a. Zecken und Sandfliegen verschiedene Infektionskrankheiten, die für Hunde lebensgefährlich werden können und unbehandelt zum Tode führen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass die Inkubationszeit (Dauer von Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) oft bis zu 3 Wochen dauern kann, bei der Dirofilariose sogar mehrere Monate. Einen gewissen (keinen 100%igen) Schutz bieten gezielte Zecken- und Würmerprophylaxe (Floh- und Zeckenhalsbänder, Tabletten, Sprays, Injektionen, Präparate gegen Würmer etc.).
Allgemein gilt: Wenn ein sonst agiles Tier während des Urlaubes plötzlich Anzeichen von Schwäche zeigt, sollte sofort ein örtlicher Tierarzt aufgesucht werden. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann – zurück in Deutschland – Blutuntersuchungen durchführen lassen, um infektiöse Erkrankungen des Hundes auszuschließen. Wir stellen Ihnen die häufigsten Infektionskrankheiten vor.
Bei der Dirofilariose (Vorkommen im gesamten Mittelmeerraum) setzt sich ein bis zu 30 cm langer Parasit, der Herzwurm, in der rechten Herzkammer fest und befällt von dort die zur Lunge führenden Arterien. Über 70 verschiedene Stechmücken übertragen diese – unbehandelt lebensbedrohliche – Infektion. Erkrankungshinweise sind Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Husten, Atemnot, Herz-, Leber und Nierenschwäche. Eine Therapie ist aufwendig, aber möglich. Impfungen gibt es bis jetzt nicht.
Die Erreger der Leishmaniose kommen ebenfalls in den Mittelmeerländern vor. Übertragen wird die Krankheit durch winzige nachtaktive Sandmücken. Sie fliegen vornehmliche schlafende Hund an und stechen an kaum behaarten Körperstellen zu. Halsbänder mit dem Wirkstoff Deltamethrin, 2 Wochen vor Reisebeginn angelegt, bieten größtmöglichen Schutz. Sinnvolle Prophylaxe: Den Hund vor Einbruch der Dämmerung bis nach Sonnenaufgang im Haus lassen, Fenster und Türen mit Moskitonetzen abdichten. Anzeichen für eine Infektion Ihres Hundes sind Apathie, Abgeschlagenheit, Fieberschübe, Abmagerung, Durchfall und Bauchschmerzen. Eine Therapie kann nur lebensverlängernd wirken, Impfungen sind nicht möglich.
Auwaldzecken sind die häufigsten Überträger der hochinfektiösen Babesiose. Diese Krankheit kommt in Frankreich, Spanien, Italien, Schweiz, Österreich, Ungarn und Deutschland vor. Nach ca. 20 Tagen Inkubationszeit stellen sich bei dem erkrankten Hund Mattigkeit, Schwäche, Fieber und Gelbsucht ein. Der Urin ist dabei dunkelrot gefärbt. Eine Therapie ist möglich.
Auch die Ehrlichiose wird durch Zecken (Schweden, Italien, Spanien, Griechenland) übertragen. Die Erreger befallen Lympfknoten und Milz des Tieres, das nach einer über Wochen dauernden Inkubationszeit an Gewichtsverlust, Apathie, Schwäche, Lympfknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und eitrigem Ausfluss zu leiden beginnt. Nach 1-4 Monaten heilt die Erkrankung aus oder wird chronisch.
Schon an diesen Beispielen sehen Sie, wie wichtig eine umfassende Information über Gegebenheiten Ihres Urlaubslandes und die Voraussetzung zur Mitnahme Ihres Vierbeiners ist. In diesem Sinne wünscht Ihnen der Bund gegen Missbrauch der Tiere eine erlebnisreiche Reise mit Ihrem Hund.
Ich habe gehört, dass Autofahrer Strafe zahlen mussten, weil sie ihren Hund im Wagen nicht angeschnallt hatten. Gibt es tatsächlich eine Gurtpflicht für Hunde?
Antwort:
Sie sind verpflichtet, Ihren Hund im Auto zu sichern. Ein Hund, ganz gleich welcher Größe oder Rasse, gilt im verkehrsrechtlichen Sinn als „Ladung“. Jeder Autofahrer sollte dafür sorgen, dass seine Ladung nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigt (StVO, §23). Ein Hund, der weder angeschnallt noch durch Trenngitter gesichert auf der Rückbank sitzt, stellt ein potentielles Risiko dar. Denn bei einem Auffahrunfall oder plötzlichem Bremsmanöver kann das Tier mit einer gewaltigen Verstärkung seines Eigengewichts nach vorne katapultiert werden und Fahrer, Beifahrer und sich selbst schwer verletzen. Wer seinen Hund im Auto nicht sichert, begeht demnach einen Verkehrsverstoß, der mit 35 Euro Bußgeld geahndet werden kann. Bei einer Gefährdung werden Sie mit 50 Euro zur Kasse gebeten und bekommen 3 Punkte in Flensburg.
Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihren Hund im Auto abzusichern. Mit einem Spezialgurt können Sie ihn auf dem Rücksitz anschnallen. Das Geschirr wird über Kopf und Brustkorb gestreift und am Sicherheitsgurt oder Isofix-Haken befestigt. Es kostet zwischen 25 und 40 Euro, ist im Futtermittelhandel erhältlich und sollte Verschlüsse und Ösen aus Metall (nicht aus Plastik) haben.
Trenngitter zwischen Kofferraum und Wageninnerem verhindern ebenfalls, dass der Hund während der Fahrt sich und andere gefährdet. Bewährt haben sich auch Transportboxen, die entweder im Kofferraum quer zur Fahrtrichtung positioniert sind oder direkt hinter dem Rücksitz stehen. In den Transportboxen (40 bis 80 Euro) sind Tiere selbst bei Unfällen geschützt. Aus Sicht des ADAC sind Netze zur Sicherung des Hundes nicht optimal, weil sie oft nicht korrekt befestigt sind und ein schwerer Hund beim Aufprall samt Netz durch den Wagen geschleudert werden kann.
Jungvogel aus dem Nest gefallenRdT: Nicht alle Jungvögel, die auf dem Boden sitzen und scheinbar hilflos nach ihren Eltern tschilpen, sind zu früh aus dem Nest gefallene oder verwaiste Tiere. Bei vielen handelt es sich um so genannte Ästlinge, die zwar noch nicht voll flugfähig sind, aber trotzdem von den Eltern weiter versorgt werden.
Markus Restle: Wie kann ich unterscheiden, ob der Jungvogel nicht doch meine Hilfe braucht?RdT: Nehmen Sie sich zwei bis drei Stunden Zeit. Beobachten Sie aus der Entfernung, ob sich in diesem Zeitraum ein Elternteil zeigt. Gegebenenfalls sollten sie das Vögelchen vorsichtig aufnehmen, auf einen Ast oder noch besser ins Nest zurücksetzen.
Markus Restle: Ich dachte, dass der menschliche Geruch die Eltern von ihrem Nachwuchs fernhält…
RdT: Nein, das ist eine verbreitete Fehleinschätzung! Im Gegensatz zu einigen Säugetieren stören sich Vögel nicht an unserem Geruch, so dass der Jungvogel auch dann weiterversorgt wird, wenn Sie ihn berührt haben.
Markus Restle: Und wenn kein Elternvogel erscheint?
RdT: Wenn sich nach Stunden noch kein Altvogel hat blicken lassen, ist nicht zuletzt unter ethischen Aspekten menschliche Hilfe sinnvoll. Doch ein Garant für das Überleben ist die Handaufzucht eines Jungvogels nicht. Je jünger und unbefiederter der Sprössling, desto geringer stehen seine Chancen. Am erfolgreichsten ist die Aufzucht bei jungen, nicht mehr nackten Sperlingsvögeln wie Amsel, Drossel, Fink, Star und Meise.
Markus Restle: Womit füttere ich die Tiere und wie oft am Tag?
RdT: Mit einem Nährbrei, der aus Insektenfresser- und Eifutter (aus der Zoohandlung) besteht. Er wird mit Wasser und Magerquark angesetzt. Bei überwiegendem Insektenanteil sollte der Futterbrei eine feucht-krümelige Struktur haben. Diese Nahrung ist sowohl für Insekten als auch Körner fressende Vögel geeignet, weil sie in der Natur ihre Jungen ja auch mit Insekten aufziehen.
Fütterungszeiten sind: Von 6.00 Uhr morgens bis 22.00 Uhr abends. Und zwar alle ein bis zwei Stunden! Dazu nehmen Sie bitte das Futter mit einer stumpfen Pinzette auf und schieben es den Tieren weit in den Schnabel. Zusätzlich brauchen die gefiederten Pflegekinder Wasser: Nesthockern wird das Wasser vorsichtig mit einer Spritze in den Schnabel geträufelt und den schon etwas weiter entwickelten Nestflüchtlingen in einer flachen Schale angeboten.
Markus Restle: Wann muss ich meinen gefiederten Freund wieder fliegen lassen – oder darf ich ihn behalten?
RdT: Nein, Sie dürfen keinen gesunden Wildvogel daheim halten (s. Kasten). Der Zeitpunkt des Abschieds ist gekommen, wenn der Jungvogel selbstständig fressen kann und flugfähig ist. Setzen Sie den Vogel an geeigneter Stelle aus und beobachten ihn weiter. Manchmal ist es hilfreich und notwendig, über kurze Zeit noch etwas Futter anzubieten. Doch Sie werden sehen, dass sich der Vogel schon bald in der Natur zurechtfindet und seine Freiheit sehr genießt.
Hinweis: Die Aufnahme und Aufzucht eines verwaisten Jungvogels ist sehr mühselig. Sie bedarf viel Sachkenntnis, ist zeitintensiv und oft eine Geduldsprobe. Aber: Der Augenblick einer erfolgreichen Wiederauswilderung entschädigt für alle Mühen. Und vielleicht ist es ja gerade Ihr geretteter Vogel, der sich mit seinem wunderschönen Gesang für Ihren liebevollen Einsatz bedankt.