Enten, Gänse und Puten werden unter ähnlichen Bedingungen gezogen, gemästet und geschlachtet wie die übrigen “Nutztiere“. Aber Verbraucher haben mit ihrer Kaufentscheidung ein Machtmittel in der Hand, den Mästern und Produzenten deutlich zu machen: Schluss mit dieser Tierquälerei!
Puten gehören traditionell zu den klassischen Weihnachtsgerichten. Die Hühnervögel kommen ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika. Unter natürlichen Bedingungen leben sie in lichten Wäldern in Gruppen bis zu 50 Tieren. Puten sind keine besonders guten Flieger; sie bewegen sich hauptsächlich laufend, fliegen zum Schlafen jedoch auf hohe Bäume. Ohne dass der Mensch manipulierend eingreift, können Puten bis zu 10 Jahre alt und ca. 3-5 kg schwer werden.
Bereits in den fünfziger Jahren begann die Nutztierhaltung der Puten. Zunächst wurden sie in größeren Beständen im Freiland gehalten, den Sommer und Herbst über gemästet und als Weihnachtsbraten verkauft. Weil das Fleisch für seinen geringen Cholesterinwert bekannt ist und sich Putenfleisch allgemein sehr schnell zubereiten lässt, stieg die Nachfrage in Deutschland rapide. Der pro Kopf Verbrauch liegt derzeit bei ca. 5 Kg - Tendenz weiter steigend.
Knochen können Körpergewicht nicht mehr tragen
Um die Putenmast rentabler zu gestalten, züchtete man Linien heraus, die statt der anfänglichen 3-5 kg Körpergewicht bis zu 35 kg (!) schwer werden. Besonderen Wert wurde dabei auf eine Vergrößerung der Brustmuskulatur gelegt, da dies das begehrteste Teilstück der Pute ist. Bei heutigen Masthybriden macht die Brustmuskulatur bis zu 40 % des gesamten Körpergewichtes aus. Es liegt auf der Hand, dass dieser gewaltige Leistungszuwachs mit Qualen für die Tiere verbunden ist.
Sie leiden unter Zehenverkrümmungen, Schäden an Sehnen, Gelenken und Knochen und Gleichgewichtsstörungen, die so weit gehen können, dass die Tiere nicht mehr in der Lage sind, sich fort zu bewegen. Ähnlich wie bei den Masthähnchen entzündet sich durch das häufige Liegen auf der feuchten Einstreu die Brustpartie – die Tiere leiden unter schmerzhaften Wasserblasen. Das hohe Gewicht der Puten bringt es mit sich, dass sie sich nicht mehr natürlich paaren können. Die Fortpflanzung kann nur noch mittels künstlicher Besamung erfolgen.
Auf engstem Raum zusammengepfercht
Mit dem Anstieg der Nachfrage nach dem fettarmen Putenfleisch änderten sich auch die Haltungsbedingungen. Statt der Auslaufhaltung trat die intensive Stallhaltung in den Vordergrund. Dies hatte den Effekt, dass die armen Hühnervögel das ganze Jahr gemästet und geschlachtet werden konnten. Heutzutage werden Puten in Einheiten bis zu 5000 und mehr Tieren in riesigen Masthallen zusammengepfercht und im Schnellverfahren durch die Verfütterung von Intensivfuttermitteln mit Mastbeschleunigern und prophylaktischen Medikamentengaben gemästet.
Bereits im Alter von wenigen Lebenstagen wird ihnen der Schnabel gekürzt, damit sie sich in der späteren drangvollen Enge nicht gegenseitig zu Tode hacken. Billigend nimmt man in Kauf, dass sich die Tiere mit den verstümmelten Schnäbeln nicht mehr das Gefieder putzen können und auch die Futteraufnahme stark behindert ist. Einige Mäster schneiden den Putern zusätzlich die ersten Zehenglieder ab, damit bei Rangkämpfen keine Verletzungen entstehen können.
| Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit bmt-Vorsitzenden, Dr. Jörg Styrie, zum Thema Putenmast (pdf-Datei). |
Rund 700 000 Gänse vegetieren in Großmastanlagen vor sich hin – der Gesetzgeber schaut weg.
Aufgrund von Protesten durch Tierschützer (die Zeitschrift „Das Recht der Tiere“ berichtete bereits darüber) wurde die Haltung von Stopflebergänsen in Deutschland und in Österreich mittlerweile verboten. Stopflebergänse werden besonders brutal gemästet. Den Tieren wird ein 40 bis 50 cm langes Metallrohr durch den Schlund direkt in den Magen eingeführt. Durch dieses Rohr werden den Tieren dann täglich 1,2 kg gequollener und gesalzener Mais und Hafer in die Mägen gestopft. Das ist die zehnfacheMenge ihres normalen Nahrungsbedarfs. Damit die Gans nicht erbricht und damit der vom Tierhalter angestrebte „Erfolg“ ausbleibt, wird der Schnabel mit einem Gummiband zugehalten. Viele Tiere sterben an geplatzten Mägen oder infolge von Infektionen, da die Rohre nicht immer ordnungsgemäß gereinigt werden. Gerade wegen des Verbots der Aufzucht von Stopflebergänsen hierzulande ist Deutschland nun der größte Abnehmer von Gänsestopflebern aus dem Ausland. Diese werden aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Ungarn importiert, da dort kein Verbot des grausamen Gänsestopfens besteht.
Auch die Nachfrage nach Gänsefleisch blieb konstant. So mussten sich die deutschen Geflügelzüchter etwas Neues einfallen lassen – das Resultat ist die Gänsemast. Ähnlich wie Puten und Enten werden nun auch Gänse in riesigen Masthallen unter künstlichen Lichtquellen gehalten. Durch die künstlichen Lichtquellen wird den Tieren ein längerer Tagesrhythmus vorgegaukelt, um sie zum übermäßigen Fressen zu animieren. Auch sonst sind bei dieser Masthaltung die Tiere unglaublichen Qualen ausgesetzt. Tausende Tiere werden auf engstem Raum gehalten. Der dadurch verursachte Bewegungsmangel unterstützt den Mastprozess. Die Tiere werden in nur 12 Wochen schlachtreif gemästet. Dem Geflügel wird Spezialfutter gegeben, das eine schnelle Gewichtzunahme garantiert. Diesem Futter werden auch Antibiotika beigemischt, da in den schlechten hygienischen Bedingungen der Masthallen - die Tiere stehen wochenlang in ihrem Kot - Infektionskrankheiten häufig vorkommen. In der Regel steht der Mastgans weniger als ein halber Quadratmeter Platz zur Verfügung; einziges Ziel ist die Gewichtszunahme. Gänse, die nicht schnell an Gewicht zulegen, und verletzte Tiere werden von den Leidensgenossen „überlaufen“ und verenden qualvoll in Kot und Urin. Der Mäster kalkuliert knallhart eine durch „natürliche Selektion“ hervorgerufene Ausfallquote von ca. 15 Prozent mit ein. Aber auch den lebenden Tieren geht es schlecht. Sie leiden infolge der raschen Gewichtszunahme und ihres Übergewichts unter Gelenkentzündungen, Knochenbrüchen und Atemnot. Viele Gänse reagieren mit Autoaggression auf die enormen physischen und psychischen Belastungen. Sie beginnen sich die Federn auszurupfen.
Wenn die Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht haben, ist ihr Martyrium noch nicht beendet. Sie werden bei lebendigem Leib gerupft (Daunenrupf). Die Federn werden zur Herstellung von Daunenbetten verwendet. Oft kommt es beim Rupfen zu Hautverletzungen, da dies in Akkordarbeit geschieht. Größere Wunden werden notdürftig zusammengenäht, damit der Verbraucher eine möglichst „makellose“ Gans erhält. Nach den Wochen in qualvoller Enge und Gestank und dem Rupfen muss der Tod schon eine Erlösung für die geschundenen Kreaturen sein. Es gibt keine Haltungsverordnung für Mastgänse, das heißt, der Mastbetreiber solcher Anlagen verstößt noch nicht einmal gegen ein geltendes Gesetz. - Unglaublich!
In den Monaten November und Dezember besteht eine erhöhte Nachfrage nach Gänsefleisch, denn traditionell wird in vielen Haushalten zum Martinsfest und gerade jetzt zu Weihnachten Gans gegessen. Das Geschäft mit den Mastgänsen ist folglich stark saisonbedingt.
Insgesamt werden in Deutschland jährlich sechs Millionen Gänse verzehrt. Rund 77 Prozent der Tiere werden importiert. So waren es im Jahr 2001 allein 73,1 Tonnen „ganze Gänse“, sowie 655,8 Tonnen „Gänse ohne Kopf und Paddel“ und 294 Tonnen Gänsebrüste und sonstige Teilstücke. Die restlichen 13 Prozent der Tiere werden offenbar in Massentierhaltungen aufgezogen, nur ein kleiner Teil lebt in artgerechter Haltung auf freien Wiesen unter Verwendung von Futter aus ökologischen Anbau.
Auch Sie können helfen:
Nicht besser als den Puten und Gänsen ergeht es den Mastenten. Von der Vielzahl der Entenrassen haben in Deutschland nur die Pekingenten und die Moschusenten wirtschaftliche Bedeutung für die Schlachtentenproduktion.
Irreführender Weise wird die Moschusente auch Flugente genannt, obwohl sie zu keiner Zeit ihres kurzen Lebens die Möglichkeit zum Fliegen gehabt hat, denn sowohl Pekingenten als auch Flugenten werden heutzutage üblicherweise in intensiver Stallhaltung ohne Flugmöglichkeiten gemästet. Dennoch schreckt man nicht davor zurück, ihnen kurz nach dem Schlupf die Flügel bis zu einem Drittel der Gesamtfläche zu kürzen.
Üblicherweise werden Pekingenten, ähnlich wie Puten und Masthähnchen, zumindest auf dem Stallboden mit Einstreu gehalten. Flugenten hingegen müssen ihr 12-16 Wochen währendes Lebens auf Drahtgitterrosten zubringen. Während dieser Zeit drängen sich 7 bis 11 Tiere pro Quadratmeter Stallfläche über ihrem eigenen Kot. Eine artgerechte Bewegung ist ihnen nicht möglich, da die Gitterböden zumeist schon nach wenigen Tagen durch die Exkremente verdreckt und glitschig geworden sind.
Auf artwidrige Lebensbedingungen zurechtgestutzt
Damit sich die Enten nicht aus Langeweile gegenseitig die Federn ausreißen, wird auch ihnen der Oberschnabel gekürzt. Die Schnäbel sind aber bis an die Spitze mit Blutgefäßen und Nerven versehen. Das Kupieren ist somit ein Eingriff in lebendes Gewebe und nach dem Tierschutzgesetz verboten. In vielen Fällen werden den Tieren auch noch zusätzlich Teile der Zehenkrallen abgeschnitten, damit sie sich bei den hohen Besatzdichten nicht gegenseitig verletzen.
Es ist verwunderlich, dass derartig gepeinigte Lebewesen noch Gewichtszunahmen zeigen. Etwa 10 % der Enten überstehen diese Torturen allerdings auch nicht. Sie sterben im Gedränge. Die verwesenden Kadaver werden meist erst beim Ausstallen gefunden. Diese Todesrate ist bei der „Produktivitätsberechnung“ berücksichtigt.
Artgerecht gehaltene Enten brauchen täglichen Auslauf und eine Bademöglichkeit – nicht umsonst gehören die Enten zum Wassergeflügel. Biobetriebe berücksichtigen diese Anforderungen. Die Tiere erhalten Auslauf im Freien, werden über 20 und mehr Wochen mit eigenem Getreide gefüttert und haben damit mehr Zeit zum Wachsen. Im Gegensatz zu den schnell gemästeten Enten lagern sie weniger Wasser im Gewebe ein. Ihr Fleisch ist fester, schmeckt aromatischer und schrumpft in der Bratröhre nicht auf die Hälfte zusammen. Natürlich kosten Enten aus artgerechter Haltung mehr als die entsetzlich malträtierten Tiere. Diese Mehrkosten darf jedoch niemand scheuen, dem die artgerechte Haltung dieser und aller übrigen „Nutztiere“ am Herzen liegt.